Feldenkrais

Feldenkrais-Methode

Die Feldenkrais-Methode gründet auf der Art und Weise, wie Menschen Bewegung erlernen, wie sich Bewusstheit und Denken entwickelt, wie wir wahrnehmen und auf welche Art wir lernen, mit unserer Umwelt in Beziehung zu sein.

Über präzise und komplexe Techniken nutzt die Feldenkrais-Methode die angeborene Intelligenz des menschlichen Nervensystems, um zu höhergradigen Funktionsstufen in allen diesen Bereichen zu gelangen.

Die Struktur der Lektionen fördert die Belebung unserer Wahrnehmungsfähigkeit und die Entdeckung von Leichtigkeit, Effizienz und Eleganz in Bewegungen. Sie erweitern unsere Fähigkeiten, mit Präzision, Kraft und Spontaneität zu handeln und vergrößern unser Lernvermögen.

Unterrichtsformen

Moshé Feldenkrais entwickelte zwei Lernmethoden:

Bewusstheit durch Bewegung – eine Arbeit in der Gruppe – und
Funktionale Integration
– eine Einzelarbeit.

In Bewusstheit durch Bewegung werden Bewegungen auf spielerisch leichte Weise in verschiedenen Variationen erforscht. Die Teilnehmenden werden verbal durch eine Abfolge von Bewegungssequenzen geführt. Im eigenen Rhythmus und Tempo kann dabei die Eigenwahrnehmung verfeinert, individuelle Bewegungsmuster erkannt und durch alternative Möglichkeiten ergänzt werden.

Die Funktionale Integration ist auf die individuellen Bedürfnisse der lernenden Person ausgerichtet, welche durch den Feldenkrais Practitioner bewegt wird. So können Muster schneller erkannt und Funktionsweisen zielgerichtet verbessert werden. Die präzisen und komplexen Techniken fördern eine unmittelbare Reorganisation des Nervensystems und wirken nachhaltig.

Ziel:

  • Sie verfeinern Ihre Eigenwahrnehmung und lernen, Muster, Einschränkungen oder Blockaden zu erkennen
  • Sie verbessern Ihre Bewegungskoordination und werden kraftvoller, effizienter, leichter und klarer in Ihren Bewegungsabläufen
  • Sie bauen chronische Schmerzen, Verspannungen und Stress ab
  • Sie verbessern Ausdrucksfähigkeit und Harmonie Ihrer Bewegungen
  • Sie werden leistungsfähiger, steigern Ihr Lernvermögen und werden selbstbewusster
  • Sie üben geistige, seelische und körperliche Flexibilität

Anwendungsgebiete

Als „Erziehung des Selbst“ in Bewusstheit und Handlung ist die FeldenkraisMethode wertvoll für alle, die neue Wege suchen, um freier in ihren Ausdrucksmöglichkeiten und in ihrem Lebensgefühl zu werden – ob in Alltag, Beruf oder Freizeit. Sie findet überall dort Einzug, wo individuelle Lernprozesse und die persönliche Entwicklung des Einzelnen im Mittelpunkt stehen.

Gesundheit
Im Bereich der Prävention und Rehabilitation nach Unfällen und Operationen, der Wellness, Neurologische Erkrankungen, Behinderungen

Persönlichkeitsentwicklung
Unterstützung von Lernprozessen, Verfeinerung von Eigenwahrnehmung und Orientierungssinn, Verbesserung von Koordination und Organisation, Stressbewältigung

Performance
Verbesserung der Performance, Steigerung der Ausdrucksmöglichkeiten, Auseinandersetzung mit berufsspezifischen Anforderungen, Leistungssteigerung, effiziente und schonende Bewegungsorganisation

Moshé Feldenkrais

Die FeldenkraisMethode ist benannt nach ihrem Begründer, dem israelischen Physiker und Bewegungsforscher Dr. Moshé Feldenkrais.

Geboren 1904 im Städtchen Slavuta, damals auf russischem Staatsgebiet, heute zur nördlichen Ukraine gehörend. Als Vierzehnjähriger schließt er sich einer Gruppe von Auswanderern nach Palästina an. Dort arbeitet er zunächst im Straßenbau, dann in der Landvermessung. Er begeistert sich für Fußball und lernt und unterrichtet Jiu-Jitsu. Außerdem nimmt er sich als Privatlehrer mit unorthodoxen Methoden schwer zu unterrichtender Kinder an. Es entstehen seine ersten Bücher: Jiu-Jitsu und Selbstverteidigung, Die Verteidigung des Schwachen gegen den Aggressor und ABC des Judo.

Nach dem Abitur geht er 1928 zum Studium nach Paris. Er wird Ingenieur, studiert dafür Elektrotechnik und Mechanik und nimmt anschließend das Physikstudium an der Sorbonne auf. 1933 – 1940 arbeitet er als Nukleartechniker gemeinsam mit dem Ehepaar Joliot-Curie an deren Institut an der ersten Kernspaltung in Frankreich. 1933 lernt er Jigaro Kano, den Begründer des Judo, kennen. 1936 gründen sie gemeinsam den ersten Judo-Club Frankreichs. Im selben Jahr erlangt Feldenkrais als erster Europäer den „Schwarzen Gürtel“.

1940 wird er durch den Einzug der Nationalsozialisten zum Exil gezwungen. Im Auftrag der französischen Exilregierung und mit wichtigen Unterlagen aus dem Laboratorium Joliot-Curie reist er nach England. Nach anfänglicher Internierung beginnt er seine Tätigkeit für die britische Admiralität. Das Forscherteam ist stationiert in Fairlie, einem kleinen Dorf an der Westküste Schottlands. Hier begeistert Feldenkrais seine Kollegen für Judo und unterrichtet sie abends in den Räumen der Dorfschule. Er setzt seine Forschungen und Versuche in Neuro- und Verhaltensphysiologie fort und erprobt sie im Gruppenunterricht. 1943 hält er Vorträge vor der British Association of Scientific Workers, später zusammengefasst in seinem grundlegenden Buch Body and Mature Behaviour. Es erscheint 1949 und ist sein erster Versuch, seine Erfahrungen und Überlegungen zu einer Theorie zu verarbeiten.

Nach dem zweiten Weltkrieg lebt Moshé Feldenkrais einige Jahre in London. Er unterrichtet Judo und hält erste Gruppenkurse in „Bewusstheit durch Bewegung“. Trotz des Angebots einer reichen Mäzenin, ihm ein eigenes Institut einzurichten, folgt er 1949 dem Ruf als Leiter der Elektronikabteilung des Verteidigungsministeriums im neugegründeten Staat Israel.

Ab 1952 widmet er sich ausschließlich der eigenen Arbeit. Er unterrichtet an der Universität von Tel Aviv, hält Vorträge in Europa und den USA, und publiziert das erste Buch, in dem er seine Methode mit Anleitungen vorstellt: Der aufrechte Gang, heute Bewusstheit durch Bewegung. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Ben Gurion, Yehudi Menuhin und Peter Brooke. Drei Ausbildungen in der nunmehr nach ihm benannten Methode leitet er selbst: eine in Israel und zwei in den USA.

1984 stirbt Moshé Feldenkrais in Tel Aviv.

„Sich selbst zu erkennen, scheint mir das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann.“
Moshé Feldenkrais